SuKK Untertraubenbach

1. Vorstand:

Daniel Zimmermann

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Rede Stadtrat Dendorfer

Volkstrauertag 2019

Deutschland 1919: Ende des Kaiserreiches. Geschlagene Armee.  Versailler Vertrag. Gewalt auf den Straßen. Und: Zwei Millionen tote deutsche Soldaten

100 Jahr später …….

Deutschland 2019: Wohlstand, Demokratie, reduzierte Bundeswehr, soziale Schieflagen und Tendenz zu extremen Politikverständnis.

Müssen wir uns Gedanken machen…..

Ich bin der Meinung ja und heute am Volkstrauertag haben wir die Gelegenheit dazu.

 

Am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen. Gerade heute, wo extreme Kräfte die dunklen Seiten der Deutschen Geschichte nur allzu gerne relativieren wollen, ist es wichtig, sich zu erinnern!

Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Gesellschaft zu gestalten. Deshalb verdient es jede Geschichte, erzählt zu werden, und jedes Opfer verdient es, dass man sich seiner erinnert.

Dabei dürfen wir uns auch von derzeitigen Präsidenten verschiedener Länder nicht leiten lassen, die diese Grundsätze nicht in ihrem Repertoire haben.

Denn denken wir einmal scharf nach, die Ereignisse haben sich doch immer wieder gleich wiederholt.

Machen wir doch nicht den Fehler, die viele Generationen vor uns immer wieder gemacht haben und diese Weisheit missachtet haben.

In diesem Jahr blicken wir besonders auch auf unser Nachbarland Polen. Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen. Als Tag  des Beginns des Zweiten Weltkrieges mag dieses Datum noch geläufig sein.

 

 

Die allermeisten Deutschen wissen, dass politischer Extremismus immer nur Leid und Unglück über die Menschen gebracht hat.

Zitat Helmut Kohl.

 

 

Der Zweite Weltkrieg forderte über 60 Millionen Tote. Dieser verbrecherische Krieg ging 1939 mit dem Überfall auf Polen von Deutschland aus, dem beispiellose Verbrechen gegen die Menschheit folgten. Hierzulande bestimmen oft verzerrte Bilder die Erinnerung: die gestellte Szene, wie Soldaten einen Grenzbaum niederreißen und Hitlers Reichstagsrede, die den Kriegsbeginn nicht nur falsch datiert, sondern die Kriegsschuld ins Gegenteil verkehrt.

Weniger bekannt sind die Bilder, wie junge Soldaten orthodoxe Juden im Alter ihrer Väter demütigen, wie fast beiläufig angebliche Freischärler auf Marktplätzen hingerichtet werden. Und wenig bekannt sind die Bilder von den vielen Toten auf beiden Seiten.

Auf die mit der Sowjetunion vereinbarte Zerschlagung Polens, folgte die systematische Ermordung polnischer Eliten und die Vertreibung und Ausbeutung unter NS-Besatzung. Jeder Sechste in der polnischen Bevölkerung wurde in diesem Krieg getötet.

Die Beziehungen der deutsch und polnisch sprachigen Bevölkerung waren bereits in der Zeit zwischen den Weltkriegen angespannt. Im Zuge der deutschen Aggression verschärften sich die wechselseitigen Übergriffe.

 

 

Die rücksichtslose NS-Lebensraumpolitik zerstörte auf immer das multikulturelle Nebeneinander. Von Beginn an – und nicht erst mit seinem Ende – führte dieser Vernichtungskrieg zu einer unseligen Vertreibungswelle. Sie richtete sich zuerst gegen Polen, die von Deutschland und von der Sowjetunion deportiert wurden. Mit dem Kriegsende traf sie dann Deutsche. Aber auch Polen aus dem Osten des Landes wurden nun aufgrund der nach Westen verschobenen Grenzen oftmals gegen ihren Willen in Pommern oder Schlesien angesiedelt.

Wer sich diese Geschehnisse vor Augen hält, versteht, warum die Wunden bis heute so tief gehen und Fragen der Erinnerung im deutsch-polnischen Verhältnis so sensibel sind. Hier gilt es, die eigene Verantwortung zu sehen und zugleich die Perspektive des anderen zu verstehen.

 

 

 

Wir denken heute an die Opfer von  Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den  Weltkriegen starben, der Menschen, die  durch Kriegshandlungen oder danach in  Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

 

 

 

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden,  weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

 

 

 

 Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

 

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und  Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

Zitat John F. Kennedy:

Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.

Ich danke der Soldaten und Kriegerkameradschaft die in einer einzigartigen Weise diesem Gedenken Sorge trägt.

Diese Gemeinschaft, die an vielen Orten auch davor steht, um das Überleben zu kämpfen, hat bei uns noch einen starken, sicheren Standort, der den Vereinsverantwortlichen hier zur Ehre gesteht.

 

Ich danke euch auch im Namen der Stadt Cham für diese überaus wichtige Funktion in unseren kommunalen Zusammenleben.

 

So darf ich im Namen der Stadt Cham auch einen Ehrenkranz zum Andenken mit der von der FFW Untertraubenbach, auch als ehrenamtliche Einrichtung der Stadt Cham, niederlegen.

 

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und wünsche allen noch einen schönen Tag.

2018